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The Polydrama
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10 MARRYING THIS ORDINARY MAN
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Berlin 1915, Bahnhof Zoologischer Garten.
Stationsvorstand: Beim Betreten des 1.& 2. Raumes: Pfiff und Ansage „Berlin, Zoologischer Garten!“, Hauptsaal: Einfahrt des Zuges: Pfiff und „Berlin Bahnhof Zoologischer Garten – Vorsicht bei Einfahrt des Zuges!!“ / Bahnsteigansage: „ Abfahrt Schnellzug nach Hannover in 10 Minuten!“

HULDA   (ruft in einem Gemisch aus Russisch und Französisch:) Da–svidanye, Sabina! A bientot! Bon voyage et bon retour! Da–svidanie! A bientot!...

GROPIUS   Alma! Alma!

ALMA   Was ist denn, Walter, mein Schatz?

GROPIUS   Laß mich doch nicht so stehen. Sag etwas zu mir.

ALMA   Wir haben doch alles besprochen, Walter? Was gibt es denn noch zu sagen?

GROPIUS   Ich möchte etwas hören, was mich den ganzen Weg über bis Hannover begleitet, das ich nicht vergessen kann... Etwas, das ich mit aufs Schlachtfeld nehmen kann!...

ALMA   Walter! Du bist ein so schöner Mann! So siehst so unbeschreiblich gut aus in deiner Uniform, so herrlich! So arisch!...

GROPIUS   Hast mich jemals wirklich geliebt?

ALMA   Ich habe es dir so oft gesagt. Auf so viele verschiedene Arten. Wie kannst du daran zweifeln?

GROPIUS   Ich zweifle nicht daran, ich möchte es nur wissen.

ALMA   Spürst du nicht, wie sehr mich nach dir verlangt?

GROPIUS   Aber ja, selbstverständlich.

ALMA   Na also, was willst du dann? — Mach’s gut, mein Schatz. Pass auf auf dich. (Sie küsst ihn) (Bahnhofsvorsteher: Pfiff ) Und schreibe mir! (BV: „Abfahrt Schnellzug nach Hannover in 5 min. )

GROPIUS   Das werde ich. (er geht)

ALMA   (ruft ihm nach:) Denn ich liebe deine Briefe! (Wieder zu Hulda:) Ich hätte niemals nach Berlin kommen dürfen.

HULDA   Dieser Mann liebt Sie.

ALMA   Oh, ja. Es ist ein sehr guter Freund.

GROPIUS   (aus der Ferne:) Alma!!

HULDA   Er wartet auf Sie.

ALMA   Steht er immer noch da?

HULDA   Er kommt zurück!

ALMA   Es ist so sinnlos, eine verbrauchte Liaison wieder aufzunehmen! - Walter!!Musst du wirklich noch deine Mutter sehen?

GROPIUS   Aber Alma, ich habe es dir tausendmal gesagt...

ALMA   Ich bin extra den ganzen Weg von Wien nach Berlin gekommen, um dich zu sehen, um mit dir zu sein. Wirklich... — Aber gut, wenn du glaubst, daß du sie wirklich noch sehen musst, bevor du an die Front zurückkehrst...

GROPIUS   Aber Alma! Jetzt waren wir fast eine Woche zusammen... Wir waren nicht eine Sekunde getrennt! Das ist doch...

ALMA   Na schön, wenn dir das genug ist, dann geh! Geh! Besuch Sie. Ich will dir um Gottes Willen nicht im Weg stehen. Gott bewahre!

GROPIUS   Warum kommst du nicht einfach mit nach Hannover?

ALMA   Aber deine Mutter kann mich doch nicht ausstehen! Das weißt du ganz genau.

GROPIUS   Alma, du hast doch genug von mir. Du sehnst dich doch schon wieder nach Wien zurück.

ALMA   Oh mein Gott. Fang jetzt nicht damit wieder an! Ich flehe dich an!

GROPIUS   Alma, sag mir die Wahrheit! Hier und jetzt! Hast du mit Kokoschka ein Ende gemacht?

ALMA   Walter, Bitte!!!!!

GROPIUS   Hast du mit Kokoschka ein Ende gemacht? Ja oder Nein?!!

ALMA   Walter, hör auf!!!!!

GROPIUS   (zieht ein Exemplar des Münchner «Zeit–Echo. Ein Kriegstagebuch der Künstler.» hervor:) Wann hat er denn dieses Gedicht veröffentlicht?

ALMA   Ach, komm, bitte hör auf. Nicht wieder dieses dumme Gedicht. Bitte nicht!!

GROPIUS   Es ist kein dummes Gedicht. Ich habe es heute Nacht noch mal durchgelesen.
Wie verdrehte wunderbar mich,
seit aus einer Nebelwelt,
sie zu suchen,
mich ein weißes Vöglein aufgerufen,
ALLOS, ALLOS,
der ich nie gegenüber kam.
Weil im Augenblicke
schnell sie sich verwandelt in mein Wesen,
wie eine Hintertür.
Leidet Ohren.
Trachtet Augen, sie zu schauen!
Ich in die arme Sommernacht,
die verschwand
und weint aus einer Erdspalte.
Jede Zeile ist schwanger mit irgendwelchen geheimen Zeichen und Bedeutungen. Vom Titel möchte ich gar nicht reden: «Allos–Makar»! Das bekommt alles eine ganz andere Bedeutung, wenn man weiß...

ALMA   Ich habe dir gesagt, was der Titel bedeutet. Es hat nicht das geringste mit mir zu tun. Es ist griechisch und heißt «Anders ist glücklich»!

GROPIUS   Alma, verkauf mich doch nicht für blöd! Es ist ein Anagram der Namen Al-ma / Os-kar: All–os Ma–kar. Das sieht doch jeder Idiot.

ALMA   Du bist auch ein Idiot. Du gehst mir so wahnsinnig auf die Nerven mit deinem Herumschnüffeln und Herumspionieren! In jeder Wäschereirechnung witterst du schon ein geheimes Liebesgedicht. Du bist ja wie besessen! Das Gedicht bedeutet mir nichts! Verstehst du?! Gar nichts! Es ist handwerklich gut gemachte Lyrik.

GROPIUS   «Handwerklich gut gemachte Lyrik»... !

ALMA   Ja! Das ist alles! (BV: Pfiff & „Abfahrt Schnellzug nach Hannover Gleis 11 in 4 min“)

GROPIUS   Alma, bitte!!!... Halte mich nicht für einen Idioten... !!!

Gropius geht, Alma versucht ihm zu folgen.

HULDA   (ruft:) Madame, Ihr Koffer!!!

ALMA   (stoppt kurz:) Können Sie einen Augenblick darauf aufpassen?

HULDA   Selbstverständlich!!

ALMA   Es dauert nicht lange. Ich bin gleich wieder zurück. (sucht Walter, der ist verschwunden) Walter?! Walter ?!!!! (läuft hinaus auf den Perron)

Alma am Perron, Gropius im Zugfenster.

GROPIUS   (ruft:) Alma! Alma!!!

ALMA   Walter?!!! Walter ?!!!! Wo bist du?!

GROPIUS   Alma! Komm her! Komm her!!!! Hier bin ich!

ALMA   Walter, was ist denn noch?!

GROPIUS   Alma, ich frage gar nicht danach, was war! Ich möchte nur wissen, ob er auch weiß, daß du ihn nicht mehr wieder sehen willst? Hast du es ihm gesagt?

ALMA   Ja, ja, ja, ja, ja!!! Wie oft soll ich dir noch sagen: Ich möchte ihn nie mehr wieder sehen. Ich werde ihn nie mehr wieder sehen!

GROPIUS   Ja, das hast du mir gesagt. Aber hast du‘s ihm auch gesagt?

ALMA   Jaaaaaaa!!!! Dieser grauenvolle Mensch hat mir fast mein Leben zerstört. Er hat mir alle Vernunft genommen. Er ist der einzige, dem ich das je erlaubt habe. Ich wünschte, ich wäre ihm nie begegnet.

GROPIUS   Alma, komm her! Schau mir in die Augen. Versprich mir, daß du ihn nicht wieder sehen wirst. Niemals, nirgends. Und schick seine Briefe zurück — wenn er dir welche schickt. Zerreiß sie nicht, schick sie zurück!

ALMA   Hast du sonst noch Befehle an mich? Nur heraus damit! Gib mir deine Aufträge, damit ich sie brav erfüllen kann! — Ich glaube, du vergisst, dass wir noch nicht verheiratet sind, mein Lieber. Du solltest beizeiten daran denken! (Sie geht.)

Der Bahnhofsvorstand pfeift zur Abfahrt („Achtung bei der Abfahrt! Zurückbleiben! Türen schließen!“)

ALMA   (zu den Umstehenden:) Er hat kein Recht so mit mir zu sprechen, dieser Mensch. Dieser kleine unbedeutende Mensch! Nur Oskar durfte das. Er durfte alles.

GROPIUS   Alma!!! Alma, komm!! Komm mit mir nach Hannover! Wir heiraten gleich dort!
Alma läuft dem anfahrenden Zug nach und springt gerade noch auf.

BAHNHOVSVORSTAND   Jetzt aber schnell; gnädige Frau!

HULDA   mit dem Koffer erreicht Alma nicht mehr, wird vom Bahnhofsvorstand zurück gestoßen.

HULDA   Madame, Ihr Koffer! Ihr Koffer!!

BAHNHOVSVORSTAND   Sind Sie verrückt?! Zurück! Zurück!!

Der Zug fährt ab entführt Alma und Gropius in die Nacht. Rauchschwaden bleiben zurück.
Hulda untersucht den Koffer, ob ein Absender darauf steht. Schließlich öffnet sie ihn und findet einen Brief. Sie liest Namen und Adresse:

HULDA            Oskar Kokoschka. Per Adresse Kunstschule Dresden... (Sie schließt den Koffer und nimmt ihn hoch. Murmelnd trägt sie ihn davon:) Kunstschule Dresden...