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Impressum
 

Koloman Moser (1868-1918)
Maler und Zeichner & Almas Verehrer

Koloman Moser zählte zusammen mit Josef Hoffmann, Joseph Maria Olbrich und Alfred Roller zu den Wegbereitern der 1897 gegründeten Künstlervereinigung «Wiener Secession», die in enger Verbindung mit ihrem Präsidenten Gustav Klimt den typisch dekorativen und auf eine einheitliche Gestaltung ausgerichteten Stil prägte. Kolo Moser zählte zu den Freunden Almas und entwarf für sie Kleider, sogenannte «Reformkleider». In seiner Leidenschaft für Alma ließ er sich zu nicht weniger als zwölf Heiratsanträgen hinreißen, die er später in einer kostbaren Brosche für Alma sublimierte, die für jeden Antrag eine Perle trug. Als Mitglied der «Wiener Werkstätte» war Moser 1904–1906 bei der Innenausstattung und Möblierung des Sanatorium Purkersdorf maßgeblich beteiligt. Mosers Phantasiereichtum und Vielseitigkeit auf fast allen Gebieten künstlerischen Schaffens – er war als Grafiker, Kunstgewerbler, Ausstellungsgestalter und Maler tätig – sichern ihm einen bedeutenden Platz in der österreichischen Kunst um 1900.

     
Koloman Moser
(Selbstbildnis, ca. 1916)
  Alma im Garten der elterlichen Villa auf der Hohen Warte neben der Schwester des Malers Koloman Moser (1899)

Koloman Moser entwarf 1900 zu Almas 21. Geburtstag das Cover für 3 ihrer Lieder, was ihr Stiefvater Carl Moll bei ihm in Auftrag gegeben hatte, Koloman Moser entwarf 1901/02 auch ein Monogramm für Alma, das Ex Libris für Gustav Mahler und Mahler schenkte seiner Frau Alma zu Weihnachten 1901 eine kleine, von Koloman Moser entworfene Schmuckschatulle, gefertigt aus hochreinem Silber mit handpolierten Korallen-Akzenten (Cabochons).

         
Koloman Moser: Monogramm für Alma Mahler (1901/1902)
Koloman Moser: Ex Libris für Gustav Mahler
  Koloman Moser: 
Schmuckschatulle für Alma Mahler (1901)

Auch in Almas Jugendtagebüchern („Suiten“) kommt Koloman Moser mehrmals vor, so am 1. Februar 1900, wo Alma über einen Besuch in seiner „ärmlichen“ Wohnung schreibt:

Donnerstag 1.II.
Schön ists, frühlinghaft schön, und ich frage mich oft des Tags: bin ich in Wien, oder bin ich in Rom-Neapel? Ich fühle so oft den Süden um mir und in mir, daß mir die Wirklich­keit dann doppelt grausam erscheint. Ich sehne mich nach Italien! Ich liebe das Meer – die Cypressen, die Oliven. Und ich sitze hier, im diesem scheußlichen Staubnest, das ich Fremden gegenüber mein liebes Wien nenne. Vormittags letzte Probe bei Radnitzky. N.M. fuhren Gretl und ich zum Moser, weil die Detail-Zeichnung noch nicht gekommen war. – Durch ein schmutziges Thor gelangten wir über eine ebenso schmutzige Stiege an die Wohnungstür, an der zu lesen ist: „Theresia Moser, Ökonomswitwe.“ Ich läutete schüchtern – eine Frau in einem dünnen Jackerl öffnet die Türe – an deren Ähnlichkeit mit Moser ich augenblicklich dessen Mutter erkannte. Ich frug nach ihm – er sei nicht zu Hause. Ein ärmliches, junges Mädel erschien. – Seine Schwester. – Ich sah hinter ihr hinein ins Vorzimmer, zu gleicher Zeit Küche. Nicht ganz sauber, vor allem aber sehr, sehr ärmlich. – Wir waren froh, daß wir wieder gehen konnten. – Auf der kalten Stiege hörten wir ein lautes „Bitte Fräuleins, einen Moment!“ und seine Schwester kam herabgestürzt, sich tausend mal um Entschuldigung bittend, weil sie gelogen: Ihr Bruder sei ja doch zu Hause gewesen – und weil er krank sei, verlog sie ihn immer. Wie er unsern Namen gehört habe, sei er aber sehr böse geworden, und sie bitte uns sehr, sehr, noch einmal heraufzukommen. – Oben war Prof. (Josef) Hoffmann. Wir gingen durch das unnette Vorzimmer und kamen in ein ganz einfaches, an den Wänden fesch patroniertes, sonst aber sehr einfaches und wieder etwas ärmliches Zimmer. Moser kam uns total verschwollen entgegen und eilte augen­blicklich davon, um sich einen Hemdkragen anzuziehen. Wir blieben allein mit Hoffmann und Mosers Schwester. – Er kam auch bald selber und zeichnete mir dann* in aller Ge­schwindigkeit einige Details, mit denen wir sofort zur Modistin fuhren. – Es ist traurig, wie verwöhnt wir sind. Wir sprachen davon, wie wir wieder im Wagen saßen. Ein bißchen Ärmlichkeit widert uns an, stößt uns zurück, befremdet uns. – Ich bin nun sicher, daß ich mit ebensowenig Mitteln meine Wohnung anders herrichten würde – angenehmer, vornehmer. Aber da ist auch meine schöne Kindheit dran schuld. Und meine Schulung für das Schöne. Oder wird einem das von der Geburt an mitge­geben?Ich stelle mir die freudlose Jugend dieses Mädels vor – es ist mittags und abends nicht zu Hause – und stelle mir die freudlose Jugend all dieser armen, anständigen Mädchen vor, und sie tun mir herzlich leid. Nichts von der Jugend haben – keine sonnige Kindheit – der Grundstein des späteren Lebens. Ein Mensch, der in der Jugend gedarbt hat, kann nicht mehr ganz und ungetrübt glücklich sein. Und der ganzen Familie Moser sieht man an, daß sie weiß – was Hunger ist … Und dann der eigentümliche Geruch bei solchen Leuten. Ich sagte später zu Gretl: „Du – die Christen riechen doch eigentlich recht schlecht.“ Und wir beide mußten diebisch lachen über das, daß wir uns so ganz, über die andere stehend, betrachteten und betrachten. Und wirklich – die Leute sind anständig und ehrlich, und doch trennten mich eine meilenweite Kluft von ihnen.Ich könnte einen Menschen, der in dieser Sphäre aufgewachsen ist, nicht lieben. Und doch – weiß ich denn, wies beim Kl. aussieht. Vielleicht weniger anständig. Aber weniger ärmlich? Lange wird mir der Besuch beim Moser zu denken geben. – Lange. – Ich habe in eine andere Welt hinein geschaut.